Wochen-Rückblick 17.05.2026

FWTT - H3

Analyse und Ausblick

17.05.2026

Es sind gerade stürmische Zeiten am Aktienmarkt, fast schon beispiellos in der bisherigen Geschichte der Finanzmärkte.

Da gibt es auf der einen Seite Unternehmen, deren Wert sich im Laufe der letzten 3 Monate vervielfacht hat (z.B. Intel, AMD, Micron oder Qualcomm). Und auf der anderen Seite kämpfen viele Unternehmen mit der Herausforderung, dass die Ölpreise sich seit Jahresbeginn 2026 praktisch verdoppelt haben und die Konjunktur möglicherweise nachhaltig Schaden nehmen könnte.

Randnotiz:

Die Ölpreise steigen seit Anfang Januar spürbar an. Der Überfall auf den Iran fand aber erst am 28.2.2026 statt. Da wusste offenbar jemand schon 2 Monate früher, was passieren würde und hat sich offenbar rechtzeitig entsprechend im Markt positioniert. Wir wollen jetzt besser nicht spekulieren, wer das gewesen sein könnte.

Chart: Preisentwicklung Brent Rohöl. US$ pro Barrel, Man erkennt deutlich den beginnenden Anstieg bereits ab Januar, obwohl erst Ende Februar der Iran-Krieg begann.

Zurück zu den Aktienmärkten:
Schaut man auf die 1-Jahres-Performance im DAX so haben sich die stärksten Titel ungefähr verdoppelt (Siemens Energy +123%, Infineon +93%, RWE +70%) während die schwächsten Titel massiv verloren haben (SAP -45%, Beiersdorf -41%, Zalando -38%).

Noch eindrucksvoller sieht dieser Vergleich beim S&P500 aus. Die stärkste Entwicklung haben hier alle Unternehmen genommen, die mit dem Ausbau der KI-Infrastruktur in Verbindung gebracht werden: Sandisk +4100%, Western Digital +983%, Micron +780%, Seagate, Intel, AMD, …

Dagegen haben die „unteren“ 250 Unternehmen im S&P500 praktisch keinerlei Kursgewinn im 12-Monatszeitraum zu verzeichnen, oftmals sogar stark rückläufige Kurse. Eine derart starke Divergenz in der Kursentwicklung zwischen den stärksten und schwächsten Aktien habe ich jedenfalls bisher noch nie gesehen.

In meinem Handelssystem stehen mittlerweile viele Ampeln auf rot:

1) die Anleihezinsen steigen kräftig an, weil ein Anstieg der Inflation und damit möglicherweise Zinserhöhungen der FED und der EZB drohen, und im USD- und auch im Euro-Raum.

Chart: Entwicklung der Renditen für US-Staatsanleihen; schwarz = 1-jährige, blau = 2-jährige, rot = 5-jährige, grün = 10-jährige, braun = 30-jährige; Man erkennt deutlich den Anstieg seit März, d.h. die Erwartungshaltung des Marktes nach steigenden Leitzinsen wegen zunehmender Inflation bzw. Verbraucherpreiserhöhung


Chart: Entwicklung der Renditen für EURO-Staatsanleihen; schwarz = 1-jährige, blau = 2-jährige, grün = 10-jährige, braun = 30-jährige; Ähnliches Verhalten wie bei den Renditen für die US-Staatsanleihen, steigende Zinsen durch die Zentralbank werden erwartet

2) der Kursanstieg der Indizes insbesondere S&P500 und Nasdaq100 wird nur von wenigen Titel getragen. Die Marktbreite ist schwach und folgt dem Kursanstieg nicht. Man sieht das schön an den Advance-Decline-Linien, z.B. unter diesem Link:

https://www.marketinout.com/chart/market.php?breadth=advance-decline-line

3) die Konjunktur-Indikatoren beginnen zu wackeln, beispielsweise der ifo-Index hatte seinen Höchststand im Februar und ist seither 2x in Folge gefallen:

https://www.ifo.de/umfrage/ifo-geschaeftsklima-deutschland

Alles in allem scheint sich da etwas Großes zusammen zu brauen. Noch sieht vieles positiv aus, aber die Anzeichen mehren sich, dass uns ein Crash bevorsteht. Die einzelnen Industriezweige sind aufs Engste miteinander verknüpft. Ein Anstieg einzelner Titel, z.B. KI-Infrastruktur-Ausrüster kann nie alleine erfolgen. Die „übrige Wirtschaft“ muss ja diese Preise mit tragen und das kann und wird sie nur dann tun, wenn sie ebenfalls im konjunkturellen Aufschwung ist.

Aus diesen Risiko-Überlegungen heraus bin ich mit meinem Wikifolio „Fond-Werte Trend Trading“ derzeit nur noch zu 50% investiert (komplett ohne Hebel) und 50% im Cash, aufgeteilt in Nasdaq, DAX und den kanadischen TSX. Gegebenenfalls werde ich den Cash-Anteil weiter erhöhen, um noch mehr Risiko raus zu nehmen.

Aber, man darf die alte Weisheit Kostolanys nicht vergessen:

Der Markt kann länger irrational sein, als man selbst liquide ist. Insofern gilt, dabei bleiben und mitmachen, aber auf der Hut sein und WENN es dann kracht, sein „Schäfchen“ rechtzeitig ins Trockene zu bringen.